Obsession: Forever yours!

Ausgerechnet das Horrorgenre weiß derzeit positiv zu überraschen. Statt ausschließlich auf Schockmomente und Gewaltexzesse zu setzen, rücken Atmosphäre des Unbehagens, schwarzer Humor und gesellschaftskritische Untertöne zunehmend in den Vordergrund. Filme wie Weapons oder Backrooms stehen beispielhaft für diese Entwicklung.

Auch Curry Barkers Obsession lässt sich in diese Richtung einordnen: eine bissige Horrorsatire, die sich des romantischen Ideals erwiderter Liebe bedient und es mit sichtlichem Vergnügen ins Groteske demontiert.

Nichts schmerzt mehr als verschmähte Liebe. Wer unglücklich verliebt ist, wünscht sich kaum etwas dringlicher, als dass die eigenen Gefühle auf Gegenliebe stoßen.

Bear (Michael Johnston) jedenfalls hofft vor allem auf eines: die Liebe seiner Jugendfreundin Nikki (Inde Navarrette). Doch seine Schüchternheit steht ihm im Weg. Trotz der aufmunternden Sprüche seines Freundes Ian (Cooper Tomlinson) bringt er es nicht fertig, Nikki seine wahren Gefühle zu gestehen. Als er in einem Esoterikladen für ein paar Dollar auf ein Scherzobjekt mit dem Slogan „One Wish Willow“ stößt, das beim Zerbrechen einen ausgesprochenen Wunsch erfüllen soll, scheint das zunächst nicht mehr als eine banale Spielerei. Obwohl Bear selbst nicht ernsthaft an dessen Zauberkraft glaubt, versucht er sein Glück – und wünscht sich das, wonach er sich am meisten sehnt: Nikkis Liebe.

Eine fatale Entscheidung, wie Bear schon bald erkennen muss.

Der Wunsch nach erwiderter Liebe erscheint zunächst romantisch – bis sich die Frage stellt, was geschieht, wenn Gefühle nicht aus freien Stücken entstehen. Und was ist Liebe überhaupt: ein individuelles Gefühl oder nicht immer auch ein soziales Konstrukt? Verliebt man sich tatsächlich in einen Menschen oder vielmehr in eine idealisierte Vorstellung von ihm? Gerade die Liebe bietet reichlich Raum für Projektionen. Man schreibt dem anderen Eigenschaften zu, entwirft im Kopf bereits eine gemeinsame Zukunft und läuft am Ende womöglich einer Illusion hinterher, die mit der Wirklichkeit nur wenig gemein hat.

Genau mit diesen Widersprüchen spielt Obsession und gewinnt daraus seine satirische Schärfe. Barker interessiert sich dabei nicht nur für Liebe als individuelles Gefühl, sondern auch für das sentimentale Ideal, das sie zum gesellschaftlichen Sehnsuchts- und Konsumprodukt erhebt. Den Wunschtraum seines Protagonisten lässt er folgerichtig zum Albtraum werden und treibt damit die Vorstellung einer vollkommenen, schicksalhaften Liebe hämisch ins Absurde.

Statt auf ausuferndes Spektakel verlässt sich Obsession auf eine ebenso einfache wie zunächst harmlose Ausgangsidee, die zunehmend aus dem Ruder läuft. Dass diese Eskalation funktioniert, liegt nicht zuletzt an den überzeugenden Hauptdarstellenden Michael Johnston und Inde Navarrette.

So erweist sich Obsession als überraschend unterhaltsame Low-Budget-Horrorfarce, die mit schwarzem Humor an unseren schmalzigen Vorstellungen von der großen Liebe kratzt – und süffisant offenlegt, wie schnell aus vermeintlicher Zuneigung Projektion, Besitzanspruch und Obsession werden können.

(C.J.F.Schiltz 2026)

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